Restaurant Tristan auf Mallorca mit unterirdischer Küche

Diesen Artikel drucken 02.10.2015

Das Restaurant Tristan - ein Schatten seiner selbst

Das einstige Sternerestaurant von Küchenchef Gerhard Schwaiger war lange Zeit eine Institution auf Mallorca. Jetzt muß man sich ernsthaft fragen, ob man ein Restaurant dieser Art noch braucht. Aber der Reihe nach… Im Jahr 2012 wurde das Sternerestaurant Tristán geschlossen und neu eröffnet als Fischrestaurant Tristán Mar. Gleichzeitig wurde das El Bistro zum neuen Restaurant Tristán. Die Räumlichkeiten wurden schön renoviert, die Speisekarte umgestellt. Eine edle, aber bodenständige Küche sollte den Gästekreis der 30-40 jährigen erschließen. In 2014 wurde die Trennung in zwei Restaurants bereits wieder aufgegeben und umbenannt in “Tristán” mit nun internationaler Küche. Die permanenten Veränderungen hätten uns eigentlich hellhörig machen sollen. Und was wir zum Zeitpunkt unseres Besuches im September 2015 nicht wußten, Gerhard Schwaiger und seine engsten Mitarbeiter hatten das Restaurant Tristán bereits verlassen. Über die neuen Aktivitäten von Gerhard Schwaiger werden wir in Kürze berichten.

Was uns jetzt vor wenigen Tagen im Tristán geboten wurde, kann einfach nur als unterirdisch schlecht bezeichnet werden. Wir vier Frauen hatten uns auf einen Abend im schönen Ambiente und gutem Essen gefreut. Keine Frage das Ambiente des Restaurants mit seiner geschmackvollen Einrichtung und dem Blick auf den Hafen von Puerto Portals in Portals Nous ist nach wie sehr attraktiv. Auch das Personal war zunächst sehr aufmerksam und freundlich, lediglich die vertrocknete Blumendekoration auf den Tischen stimmte uns etwas nachdenklich. Das abendliche 5-Gänge-Menü (69 Euro) konnte nur eine der Damen locken, während wir anderen uns für Speisen a la carte entschieden. Fairerweise sei an dieser Stelle gesagt, daß es am Menü noch am wenigsten zu beanstanden gab.

Zu unseren a la carte Vorspeisen zählte zum einen das Sashimi vom Wolfsbarsch, das jedoch weder im Aussehen noch im Geschmack auf unsere ungeteilte Zustimmung traf. Bei der anderen Vorspeise - einer Jacobsmuschel a la sal - kamen erste Zweifel an der derzeitigen Kochkunst des Tristán auf. Die kalte, aufgeschnittene Jacobsmuschel schmeckte nur nach salzigem Meer und wir befanden einhellig, daß eine klassische Zubereitung dem Wohlgeschmack der Jacobsmuschel viel zuträglicher gewesen wäre. Dennoch waren wir noch immer optimistisch im Hinblick auf den Hauptgang, denn schließlich kann man sich bei der Wahl einer Vorspeise durchaus selbst mal irren.

Zwei meiner Freundinnen entschieden sich für einen Steinbutt im Salzmantel (für 33 Euro pro Person), während ich - inspiriert von einem Foto auf der Webpage des Restaurants - ein klassisches mallorquinisches Gericht die Lammschulter vom Milchlamm probieren wollte. Die Qualität des Steinbutts war in keiner Hinsicht zu bemängeln. Jedoch wurde er vollkommen trocken serviert und die Beilage bestand aus einfachen Ravioli mit etwas Tomatensauce, die an ein Fertigprodukt aus dem Supermarkt erinnerten. Auf unsere Frage, ob es nicht möglich wäre, eine schlichte aber wohlschmeckende Zitronen-Butter-Sauce zu erhalten, wurde uns erwidert, daß dies für das Gericht nicht vorgesehen wäre. Da wir aber darauf bestanden, wurde uns einige Minuten später ein kleines Gefäß mit flüssiger Butter und eine halbe Zitrone gereicht, die wir offenkundig selbst auspressen sollten. Nun denn…

Meine Lammschulter (32 Euro) schließlich machte uns alle nur sprachlos. Lammschulter oder Lammkeule ist auf Mallorca ein absoluter Klassiker, den man in fast jeder Dorfkneipe bekommt, und ich habe noch nie eine so lieblos zubereitete Lammschulter serviert bekommen wie im Tristán. Die beiden Lammteile ragten nackt wie lange Hundeknochen über den Tellerrand und es gab weder eine Dekoration noch Sauce dazu. Die Beilage, eine Schale mit kaltem trockenem Couscous, Paprika und Gurken, ließ ebenfalls keine Freude aufkommen. Wenn das Lamm nun köstlich zart und von besonderer Qualität gewesen wäre, hätte ich es vielleicht noch akzeptieren können. Aber leider war das Tier irgendwann wohl so lange gebraten und zum Servieren wieder erwärmt worden, daß es folglich zäh und trocken war.

Unser Fazit: Kochkunst sieht anders aus. Auch ein vormals guter Ruf hält nicht ewig, schon gar nicht, wenn für den Sternekoch kein angemessener Nachfolger gefunden wird. Hier wird versucht, Gerichte zu gehobenen Preisen zu verkaufen, aber mit geringem Aufwand zu produzieren. Kein überzeugendes Konzept. Und übrigens, das ungefragt auf den Tisch gestellte Brot wurde mit 2,50 Euro pro Person berechnet. So hatten wir uns einen Abend im Tristán nicht vorgestellt, aber glücklicherweise gibt es noch viele andere Restaurants auf der Insel.

 

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