Interview mit dem Lakeball-Taucher Ralf Oestmann

Diesen Artikel drucken 11.07.2016

Interview mit dem Lakeball-Taucher Ralf Oestmann

Lieber Ralf Oestmann, schön daß Sie sich gerade jetzt in der Hochsaison die Zeit genommen haben, mit uns zu sprechen. Wie ist es eigentlich dazu gekommen, daß Sie zum Lakeball-Taucher geworden sind?

Nach meiner Ausbildung zum Gärtner wollte ich mich beruflich verändern. Bei einem etwas längeren Aufenthalt auf Jamaika habe ich einen Golfplatz gesehen und gedacht, das ist etwas für mich. Zurück in Deutschland habe ich dann eine Fortbildung zum Greenkeeper in Bayern gemacht und danach auf mehreren Golfplätzen in Hamburg, Oldenburg und Bremen als Greenkeeper Erfahrungen gesammelt.

Greenkeeper finden beim Mähen natürlich ständig die Bälle der leidgeplagten Golfer, aber die Bälle, die in den Wasserhindernissen landen, gelten zumeist als auf immer und ewig verloren?

Das stimmt, doch schon als Greenkeeper hatte ich ein gutes Auge für Golfbälle, die die Golfspieler verschlagen hatten. Irgendwann habe ich angefangen Golfbälle mit einer umgebauten Harke aus den Teichen zu holen. Da ich auf Jamaika einen Tauchschein gemacht habe, habe ich den Beruf als Greenkeeper kurzerhand an den Nagel gehängt und bin Golfball-Taucher geworden.

Dabei ist es aber nicht geblieben?

Auf einem Golfplatz kam ich gerade hinzu, als ein Fischhändler im Kampf gegen Algen Graskarpfen in die Teiche setzen wollte. Der Greenkeeper des Clubs fragte mich dann, ob ich mich nicht ein bisschen um die Teiche kümmern könnte. Ich sagte ja, denn schon als kleiner Junge interessierte ich mich für Tiere, die im Wasser leben. Damals war ich fast täglich an irgendwelchen Teichen und Gräben und habe sogar angefangen, Fische und Garnelen zu züchten. Aufgrund dieser Vorkenntnisse habe ich die Pflege der Teiche in dem Club übernommen und anschließend auch auf anderen Plätzen damit angefangen. Mittlerweile habe ich ca. 20 eigene Zuchtteiche und ca. 350 Gewässer auf Golfplätzen in Pflege.

Herr Oestmann, Sie machen aber viel mehr als nur irgendwelche Fische auszusetzen?

Das ist richtig. Heute geht es immer auch um Naturschutz. Als Besatz werden beispielsweise heimische Tiere eingesetzt, die zum Teil vom Aussterben bedroht sind oder nur noch selten vorkommen. Dazu gehören z.B. Edelkrebse, Teichmuscheln, Bitterlingen, Nasen, etc. Ich denke, daß ich schon durch die Anzahl der Gewässer einen Teil zur Arterhaltung einiger Tiere beitragen kann. In einigen Regionen arbeite ich zudem eng mit den Naturschutzbehörden zusammen.

Wie beurteilen Sie die naturgemäße Pflege der Teiche?

Die Erhaltung von Biotopen auf den Plätzen ist eine wichtige Aufgabe. Die Teiche einiger Clubs, sind zum Teil in einem katastrophalen Zustand. Nicht selten muß irgendwann der Bagger kommen oder die Teiche werden zugeschüttet. Auf einigen Golfplätzen werden Unterwassermähboote eingesetzt. die natürlich auch einige Tiere töten. Ein großes Problem ist auch das Aussetzten von Tieren wie beispielsweise des Amerikanischen Krebses oder von Goldfischen. Ein Goldfisch gehört einfach nicht in einen natürlichen Teich.

Aber Sie kümmern sich auch um die richtige Pflanzenwelt in den Teichen?

Auf jeden Fall. Beispielsweise bin ich dabei, vom Aussterben bedrohte Pflanzen wie die Krebsschere zu vermehren und einzusetzen. Aufgrund der Gärtnerei meines Bruders, der “Gärtnerei Oestmann” in Armsen, sitze ich natürlich an der Quelle, um das zu realisieren. Durch entsprechende Lehrgänge z.B im Bereich Gewässeranalyse können auch bei Bedarf Wasserproben durchgeführt werden.

Ist diese Art der Teichpflege teuer für die Clubs?

Die Gewässerpflege wird finanziert durch die Entnahme und dem Verkauf der Lakeballs aus den Teichen. Die Golfclubs erhalten die Gewässerpflege kostenfrei. Dafür können pro Tag mehrere tausend Bälle getaucht werden.

Aber die kann man vermutlich nicht ungereinigt verkaufen?

Man muß sie schon säubern, aber meine Methode der Reinigung der Golfbälle ist selbstverständlich umweltschonend. Die Bälle werden zunächst mit reinem Wasser ohne chemische Stoffe gewaschen. Und die Golfbälle, die nicht sauber geworden sind, werden in Wasser mit einem Spritzer Zitronensäure einlegt und nach einigen Tagen nochmals gewaschen bis sie sauber sind.

Wissen Sie, wie viele Lakeball-Taucher es in Deutschland gibt?

In Deutschland gibt es derzeit ca. 5-10 Golfballtaucher. In der Kombination mit der Gewässerpflege gibt es derzeit allerdings niemanden.

Jetzt möchten wir für unsere Leser natürlich noch wissen, wo man diese Bälle kaufen kann?

Verkauft werden die Lakeballs über unser Internetseite LAKEBALLTAUCHER, auch an die Golfclubs, an die Pro-Shops und an die Reseller in ganz Europa.

Herr Oestmann wir bedanken uns für das Interview

Ralf Oestmann - Lakeballtaucher
Kleine Fischerstr. 9
27283 Verden
Tel. 0178-4158223
E-Mail: info@lakeballtaucher.de
www.lakeballtaucher.de

Das Interview führte Christopher Bauer vom Team Golf & Hotel

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