Die Frauen im Golfsport

Diesen Artikel drucken 22.06.2017

Die Geschichte der Frauen im Golf

Wie nicht anders zu erwarten ranken sich viele Mythen um die Geschichte der Frauen im Golf. Das Golfspiel an sich begann im 15. Jahrhundert an der Südküste von Schottland. Für manchen gilt die schottische Königin Mary als erste verbriefte Frau, die Golf spielte und das natürlich in St Andrews. Dies soll sich um 1567 zugetragen haben.

Gesichert durch die Aufzeichungen eines englischen Geistlichen sind die sogenannten "Fishwifes" Ende des 18. Jahrhunderts. Im schottischen Musselburgh spielten die Frauen, die in der Fischverarbeitung tätig waren, in ihrer Freizeit tatsächlich Golf. 1811 trugen sie sogar einen Damen-Wettbewerb aus. Ähnliches galt für die Gruppe der Weberinnen in Dirleton.

Im 19. Jahrhundert beschränkten sich die weiblichen Sportarten in der Gesellschaft auf Croquet und Bogenschießen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Golfspiel auch für die Damen in England und Frankreich salonfähig. Man gründete erste eigene Clubs und Golfplätze. Teilweise wurden sogar Herren in die Clubs aufgenommen, was dem unverfänglichen Kennenlernen diente.

Der erste reine Damengolfclub wurde 1867 in Schottland gegründet, der "Ladies Golf Club of St Andrews". Der "Royal and Ancient Golf Club St Andrews", die bis heute erste Instanz in Sachen Golfregeln, bestand zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als hundert Jahre, nämlich seit 1754. Dreißig Jahre lang besaßen die golfenden Damen lediglich ein Zelt, bis sie 1898 die Erlaubnis erhielten, ein festes Clubhaus zu bauen. Der St. Andrews Ladies' Golf Club wurde 1948 in the Ladies' Putting Club umbenannt. Die Mitglieder spielten auf den Himalayas, dem historischen Putting Grün entlang des Old Course.

Der Carnoustie Ladies Golf Club gilt als der älteste Ladies Golf Club in der Welt. Die Gründung fand am 25. August 1873 im Dalhousie Club statt. 

1888 entstand ebenfalls in Schottland, in North Berwick, der North Berwick Ladies Golf Club. Fünf Jahre später wurde den Golferinnen von einem lokalen Mäzen ein Stück Land für das Golfspiel zur Verfügung gestellt. Diese 9-Loch “Ladies’ Links” sind heute der Children’s Course, auf dem die unter 14 Jährigen ihre Wettkämpfe austragen.

Im Jahr 1893 wurde die erste Vereinigung der Golferinnen, die "Ladies' Golf Union" gegründet. Das Treffen fand im Grand Hotel in London unter Beteiligung von zehn Golfclubs statt. Zu diesem Zeitpunkt existierten in England und Schottland bereits 63 Damengolfclubs. Im selben Jahr formte sich auch die "Irish Ladies Golfing Union". Und noch eine Besonderheit fand statt: die erste British Open Amateur Championship der Damen. 38 Spielerinnen traten auf einem nach heutigem Verständnis kurzen 9-Loch Platz an. Siegerin wurde Lady Margaret Scott mit 42 Schlägen. Lady Margaret Scott galt zur damaligen Zeit als Longhitterin. Ihre Drives erreichten Längen von knapp 120 Metern.

1895 wurden die ersten US-Damenmeisterschaften im Meadow Brook Club in Jericho, New York, ausgetragen nur einen Monat nach der ersten U.S. Amateur und der U.S. Open der Herren.

Das vermehrte Interesse am Golfspiel (in England und Schottland gab es zu dieser Zeit bereits ca. 200 Herrenclubs) und der Vergleich der Spieler und Spielerinnen untereinander, brachte die Ladies Golf Union LGU auf die Idee, ein erstes sinnvolles Handicapsystem 1896 einzuführen.

Vor dem Ersten Weltkrieg stagnierte die Entwicklung im Damengolf. In den Zwischenkriegsjahren gab es zwei Namen, die die künftige Entwicklung prägen sollten: die britische Amateur Golferin Cecil Leitch (1891 – 1977), sie gewann viermal die British Ladies Amateur Championship, und Joyce Wethered (1901 – 1997), die bis heute als größte britische Golferin aller Zeiten gilt. Ihr Golfschwung wurde selbst von Bobby Jones bewundert. Beide brachten das Damengolf auf ein ganz neues, sportliches Niveau.

Nach dem Vorbild des Ryder Cup für die Herren wurde 1932 der Curtis Cup für die Damen ins Leben gerufen. Bei diesem bedeutenden Amateur-Turnier treten bis heute amerikanische Spielerinnen gegen Golferinnen aus Großbritannien und Irland gegeneinander an. 

In den 1950er Jahren waren es die Amerikanerinnen Petty Berg (1918 - 2006) und Babe Didrikson Zaharias (1911 - 1956), die dem Damengolf ihren Stempel aufdrückten. Petty Berg errang insgesamt 15 Major-Titel und hält damit einen Allzeitrekord. Babe Zaharias war eher eine Allround-Athletin, die sich nicht nur auf den Golfsport beschränkte, sondern auch Erfolge im Basketball und anderen olympischen Disziplinen errang.  Beide Frauen gründeten gemeinsam mit weiteren Golferinnen 1950 die Ladies Professional Golf Association (LPGA).

Zu den führenden Spielerinnen in Europa zählten in den Folgejahren die Schottin Belle Robertson (geboren 1936) und die Irin Mary McKenna. Belle Robertson gewann die  British Ladies Amateur und war zweimal non-playing Captain des Curtis Teams. Mary McKenna war noch erfolgreicher. Sie ist mit zwölf Championships und neun Teilnahmen am Curtis Cup die bedeutendste irische Golferin.

In den 70er und 80er Jahren folgten so bekannte Namen wie die Amerikannien Nancy Lopez (geboren 1957) und Kathy Whitworth (geboren 1957), die erste Frau, die mehr als eine Million Dollar verdiente. Sie errang insgesamt 88 Turniersiege und hält damit bis heute den All-Time-Rekord der offizellen Turniersiege bei den Damen aber auch den Herren.

In den 1990er war es vor allem eine Europäerin, Annika Sörenstam, die den professionellen Golfsport der Damen prägte. Sie schreibt Fernsehgeschichte, als sie als Frau in einem Herrenturnier antritt und an der Seite von Tiger Woods spielt. Etwas später war es Michelle Wie, die als ganz junge Golferin solche Länge spielte, daß sie sich medienwirksam ebenfalls mit den Herren messen sollte.

In den letzten Jahren erfreut sich das Damengolf zunehmend größerer medialer Beliebtheit, was sich für die Proetten nicht zuletzt in höheren Preisgeldern niederschlägt. Leider trifft dies nur auf die amerikanische LPGA zu. Die großen Namen kommen derzeit vor allem aus Korea und natürlich den USA selbst. Inbee Park, Lydia Ko oder auch Paula Creamer, um nur einige zu nennen. In Europa sind es die Schwedinnen und die britischen Spielerinnen, die herausstechen.

Die Geschichte des Damengolf hat einen langen Weg zurückgelegt. Heute erscheint es ganz selbstverständlich, daß Frauen diese Sportart ebenso erfolgreich und mit Spaß ausüben können wie Männer. Zum ganz selbstverständlichen Bild gehört es auch, daß Frauen aktiv die Geschicke ihrer Golfclubs beeinflussen. 

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